26.11.2025 | Wer Zukunft will, kann auf die jungen Menschen und Mitbestimmung nicht verzichten!
Herborn/Betzdorf- In den heimischen Betrieben mit Betriebsratsgremien laufen die Vorbereitungen auf die anstehenden, regelmäßigen Betriebsratswahlen, die zwischen März und Mai im kommenden Jahr stattfinden werden. Aber auch in Betrieben ohne Betriebsräte sollten sich Beschäftigte zusammenschließen und Betriebsräte wählen. Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft können wir im Betrieb und der Gesellschaft nur mit starken Interessenvertretungen gestalten! Dabei geht es auch darum, gerade jungen Menschen eine Perspektive zu geben. In ihrer Region, im gewünschten Ausbildungsberuf oder Studium.
In den letzten Wochen lassen die Arbeitgeber, darunter auch einige heimischen Arbeitgebervertreter, keine Chance aus, auf die schlechten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinzuweisen. Flankiert wird das ganze noch mit dem Hinweis darauf, nicht ausreichend Fachkräfte zu finden und, dass die Schulabgänger nicht mehr den Anforderungen der Ausbildungsberufe entsprechen würden.
Aber ist das korrekt dargestellt? Aus unserer Sicht nicht!
Natürlich gibt es bei den jungen Menschen unterschiedliche Interessenslagen, es gibt schulisch starke und weniger starke Schülerinnen und Schüler. Aber auch junge Menschen, die mit einem durchschnittlichen Zeugnis Bewerbungen schreiben oder in Schulfächern nicht so gute Noten vorweisen können, sind doch nicht gänzlich ungeeignet für eine Ausbildung in einem dualen Ausbildungsberuf. „Wir sind der festen Überzeugung, dass mit den Förder- und Fordermöglichkeiten, z.B. der Bundesagentur, auch jungen Menschen eine Möglichkeit zur Ausbildung in heimischen Betrieben möglich gemacht werden könnte. Scheitern sie doch bei der Bewerbung viel zu oft bereits an der Vorauswahl nach Zeugnis oder Aussehen der Bewerbung. Es geht hier eher um die Frage, ob die heimischen Arbeitgeber nicht zu wenig bereit sind in die Ausbildung und Zukunft der jungen Menschen etwas mehr Zeit und Kraft zu investieren und sich so nur die Rosinen herauspicken.“ so Oliver Scheld (1. Bevollmächtigter der IG Metall Herborn-Betzdorf.
Wir stehen vor großen Herausforderungen. Wirtschaftlich und gesellschaftlich, als eine der am stärksten ausgeprägten Industrieregion dieses Landes und als Gesellschaft . Dabei hat die Vergangenheit gezeigt: gerade wenn es schwierig ist, hat unsere Region, die Betriebe und die Beschäftigten ein massives Fachwissen und Expertise um gemeinsam diese Herausforderungen zu meistern und sich im Zusammenspiel zwischen Gewerkschaft, Betriebsräten und Arbeitgebern auf die neuen Anforderungen einstellen zu können.
Der Wandel der Industrie, des Handwerkes und der Dienstleistung ist in vollem Gang. Auf uns als Gesellschaft, als Arbeitgeber und Arbeitnehmer, als Verbände und Gewerkschaften kommt es an, diesen Wandel aktiv mitzugestalten. Im Sinne der Menschen, der Region und den Betrieben. „Es wäre fatal, wenn wir die jungen Menschen nicht mitnehmen und ihnen keine Perspektiven bieten. Sie haben nur uns, dass sollten wir im Blick haben.“ so Felizitas Freundt (Gewerkschaftssekretärin für Jugend, Auszubildende und Studierende in der IG Metall Herborn-Betzdorf.
Wenn die Arbeitgebervertreter und deren Verbände in den letzten Wochen immer wieder gebetsmühlenartig davon reden, dass politische Rahmenbedingungen nicht passen, und die Industrie und die Betriebe gefährden, ist dies nur teilweise korrekt. Es nicht einfacher als auf die Politik zu verweisen, anstatt die betrieblichen Herausforderungen aktiv mit den Beschäftigten und deren Fachexpertise zu bewältigen und die Produkte und Betriebsabläufe mit der Belegschaft für die Zukunft nach vorne zu bringen. „Statt Zukunft aktiv zu gestalten, die Betriebe weiterzuentwickeln um wettbewerbsfähiger zu werden und Beschäftigten auch künftig sichere und faire Arbeit zu bieten, schimpft man auf die schlechten Rahmenbedingungen und verlangt Personalkostenreduzierungen oder gar Entlassungen. Von anderen Fordern ohne die eigenen Hausaufgaben zu machen, ist eine Sackgasse für die Region. Wo ist die soziale und gesellschaftliche Verantwortung, wo ist der unternehmerische Geist geblieben?“ so Scheld weiter.
Eine nachhaltige Veränderung, eine sozial gerechte Gestaltung der Zukunft geht nur, wenn Menschen sich aktiv einbringen und füreinander Verständnis und Wertschätzung aufbringen. Man muss bereit sein, seine eigene Blase zu verlassen und den Blick auf sein Umfeld zu schärfen. Es braucht dafür gerade im Betrieb Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen, die im Sinne der Beschäftigten gestalten und für sichere und faire, sowie mitbestimmte Arbeit eintreten wollen. Die anstehenden Betriebsratswahlen im Frühjahrsind ein guter Anlass, sich für das Ehrenamt im Betriebsrat zu kandidieren.
Betriebsratsmitglieder stehen ihren Kolleginnen und Kollegen beratend zur Seite, sie gestalten die Arbeit im Sinne von Beschäftigten und lassen dabei den Betrieb nicht außer Acht. Im Mittelpunkt aber steht die Vertretung der Interessen der abhängig Beschäftigten stehen. Grundlage dafür ist das Betriebsverfassungsrecht mit umfänglichen Informations-, Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechten und – Pflichten. „Gegenwart und Zukunft erfordern starke Betriebsratsmitglieder, die sich für die Beschäftigten einsetzen, die bereit sind sich aktiv auch an der Gestaltung der Zukunft mit sicheren und fairen Arbeitsbedingungen einzusetzen.“ so Scheld.
Werdet aktiv, kandidiert für euren Betriebsrat und dort, wo noch keinen Betriebsrat gibt, wählt euch einen!
Wir sind eine starke Region, eine Region mit großen Herausforderungen, eine Region mit unternehmerischem Geist. Wir sind eine Region mit hochengagierten Fachkräften, mit jungen Menschen, die eine Ausbildung oder Studium in unserer Region machen wollen, mit einer Gesellschaft, die in Vergangenheit und Gegenwart immer Antworten auf aktuelle und künftige Thematiken gefunden hat. Gemeinsam sollten wir unsere Möglichkeiten und Ideen wieder in den Mittelpunkt stellen, nicht die Probleme. Für die Menschen, die Region, die Betriebe und die ganze Gesellschaft.
„Gemeinsam mit und für die Menschen. Ohne Hetze, Hass und ohne Rassismus! Jeder der hier geboren ist, der zu uns kommt, egal ob alt oder jung, jede und jeder sollte ein Stück aufeinander zugehen und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für unsere gemeinsame Zukunft einbringen.“ so Scheld abschließend